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Und ich studiere hier doch!

Wow, ist die Zeit fix vergangen. Ich hoffe, ihr habt heute ein bisschen mehr Zeit zum lesen Da passt man einmal nicht auf und schon sind gleich 4Wochen um! Offenbar studiere ich hier doch ein wenig
Zumindest geht dafür mittlerweile auch einiges an Zeit drauf. Immerhin hab ich jetzt zusätzlich zu meinen ohnehin gewählten Kursen auch noch 2x pro Woche Polnisch-Unterricht. Ich muss sagen, das macht echt Spaß! Die Sprache hat zwar unheimlich viele Konsonanten in einem Wort und diverse verschiedene SCH-Laute, was die Aussprache manchmal ziemlich schwierig macht, aber da wir alle bei 0 anfangen, ist es auch witzig. Nach den 4 Wochen kann ich mich immerhin auf Polnisch vorstellen, verstehe die Zahlen, kann einkaufen gehen und so langsam geht es jetzt auch an die Grammatik – diese Woche ging es um Verb-konjugation.
Um euch mal ein bisschen an dem Spaß teilhaben zu lassen:
Cześć & Sześć – sprich: tschesch & schesch – heißt Hallo & Sechs – und das ist noch ein einfaches Beispiel! Wirklich verzweifeln tun wir dann an Worten wie szczęśliwy (schtschenschliwui (in etwa...) - fröhlich) oder cieszęsię – glücklich. Aber auch der Name unserer Uni hier war am Anfang schwierig: Przyrodniczy (Pschirodnitschui), was für 'naturwissenschaftlich' steht oder der Name einer Straßenbahnhaltestelle in der Nähe: Spółdzielcza. Insgesamt finden sich aber viele Vokabeln in der Sprache wieder, die in anderen Sprachen ähnlich sind. Oder die Polen basteln sich ihre Verben einfach selbst, in dem sie an englische Begriffe die Endung -ować hängen: telefonować, fotografować, sogar SMSować!!
Neben der neuen Sprache habe ich in den letzten Wochen aber auch einiges von der Umgebung kennen gelernt!
Während meine Teamkolleginnen in Güstrow erfolgreich den Titel beim Hallenhockey-Höckerturnier verteidigt haben, bin ich mit vielen anderen Erasmus-Studenten durch die schlesischen Berge gekraxelt. Dafür mussten wir ganz schön früh aufstehen (glücklicherweise nach der Zeitumstellung ), uns im Linienbus auf der Hinfahrt ganz schön zusammenquetschen und dann einige Kilometer durch den Wald teilweise fast wirklich klettern, um auf den ca. 500m hohen Gipfel zu gelangen. Leider hat das Wetter nicht ganz so mitgespielt, weshalb der Blick von der Spitze etwas getrübt war und auch das Lagerfeuer auf der selbigen ausfallen musste. Dennoch war das ein schöner Trip durch den schlesischen Herbstwald.




In der folgenden Woche hat es dann endlich geklappt!! Ich habe jemanden gefunden, der mich mit zum Hockeytraining nimmt!! Meine Freude darüber war riesig! Durch einige Beziehungen bin ich in Kontakt mit Asia gekommen (ja, das ist ist Vorname). Sie hat hier in Wrocław Hockey gespielt. Leider gibt es aber keine Hockeyclubs mehr hier, sodass sie nun in Poznan spielt (und auch Nationalmannschaft!). Nach Poznan fährt sie aber nur selten, weil das ca. 3h Fahrt für eine Strecke sind und sie das als Berufstätige nicht schafft. Dafür gibt es aber nördlich von Wrocław ein kleines Dorf, in dem sich immer wieder hockeybegeisterte Mädchen finden. Die trainiert Asia dann (momentan sind es 3) und nutzt das gleichzeitig als eigenes Training. Dort war ich also Ende Oktober das erste Mal mit. Im Gegensatz zu meinen deutschen Teamkolleginnen haben wir da allerdings noch draußen trainiert... und weil es auch noch Unstimmigkeiten bei der Buchung des Kunstrasens gab, bekamen die Fußballer in der Überzahl den Zuschlag und wir mussten mit dem Basketballplatz mit Tartanbelag vorlieb nehmen... War irgendwie eine Mischung aus Feld- und Hallenhockey Insgesamt war das Training nicht viel anders, als ich es bereits kenne. Einzig interessante Abwechslung war das Einspielen mit einer viel schwereren Kugel. Was zu Beginn sehr ungewohnt und umständlich war, führte dazu, dass die richtigen Kugeln nachher viel besser kontrollierbar und leichter zu spielen waren.
Am selben Tag war auch ein türkischer Feiertag, weshalb uns unsere türkischen Nachbarn im Wohnheim kurzerhand zu einer kleinen Feier einluden. Ihre religiöse Einstellung variiert übrigens sehr stark. Während ein Mädchen wirklich immer vollständig bedeckt und mit Burka erscheint, achten die meisten nur darauf was sie essen. Die meisten von ihnen trinken sogar Alkohol
Auf jeden Fall beschlossen wir an diesem Abend, eine Halloween-party zu feiern und zwei der spanischen Mädels wollten dafür ihr Zimmer zur Verfügung stellen.
Bevor ich aber zu diesem Planungsdisaster komme, muss ich zuerst noch die Story nach der MASAKRA-party erzählen! Das ganze sollte wieder mal eine Party für die Erasmus-Studenten werden und der Club war auch wirklich gut gefüllt (und witzigerweise mit Pokébällen dekoriert :D).

Als wir dann irgendwann den Heimweg antreten wollten, erlebten wir dann die Szene des Abends: wir hatten gerade unsere Jacken geholten, wollten den Club verlassen und warteten kurz hinter dem Türsteher, dass der Strom entgegenkommender Besucher abriss. Plötzlich stand ein Typ vor dem Türsteher, der offensichtlich ziemlich betrunken war (der Typ, nicht der Türsteher ) und sagte irgendwas auf Polnisch zu dem breitschultrigen Aufpasser. Wie aus dem Nichts begann dieser daraufhin den Besoffenen mit Boxhieben zu attackieren und traf ihn auch mehrfach am Kopf! Der andere wusste gar nicht, wie ihm geschah und reagierte erst sehr verzögert, in dem er versuchte sich mit den Armen zu schützen und sich weg zudrehen. Kurz darauf verließ er auch den Eingangsbereich des Clubs und wir folgten ihm mit etwas Abstand. Seine Freunde schienen draußen auf ihn zu warten und sie gingen davon, als ob nichts passiert wäre. Ich vermute mal, dass der Typ am nächsten Tag nicht nur vom Alkohol Kopfschmerzen hatte
Tja, was wurde dann aus der Halloween-party? Natürlich nix... Als sich bis Samstag morgen immer noch niemand wegen planerischen Details gemeldet hatte, und ich daraufhin vorsichtig nachfragte, stellte sich heraus, dass irgendwie alle schon weg waren, auf spontanen Trips nach Prag, Gdansk und Warschau...
Um nicht das ganze Wochenende quasi allein im Wohnheim zu verbringen, machte ich mich mit Isela und David auf den Weg nach Łódź. David kennt dort einen anderen Erasmus-Studenten, der auch aus Kolumbien kommt und den er gern besuchen wollte. Leider hatten wir uns nicht gerade das beste Wochenende für unseren Trip ausgesucht. Samstag Abend waren wir immerhin noch beim Mexikaner essen, was meine lateinamerikanischen Freunde sehr gefreut hat Aber Sonntag war Allerheiligen und da sind in Polen wirklich alle Geschäfte zu! Bis auf einige wenige Restaurants, konnten wir also nichts besuchen.


Dennoch flanierten wir bei bestem Wetter über die längste Fußgängerzone Europas und gegen Abend machten wir einen Abstecher zum Friedhof. Das war ein Tipp von Davids Kumpel und der war wirklich gut. Vor dem Friedhof hatten diverse Blumen- und Kerzenhändler ihre Stände aufgebaut und auf dem Friedhof waren wirklich Menschenmassen unterwegs, eine richtige Völkerwanderung! Aber es war auch ein beeindruckendes Bild, über den Friedhof zu wandern, der völlig ohne elektrische Beleuchtung auskam. Auf allen Gräbern standen dutzende Kerzen und schufen so ein atemberaubendes Bild, dass mir allein jetzt beim Schreiben wieder eine Gänsehaut verursacht.
Ähnlich emotional beeindruckend war auch der Besuch in Auschwitz letztes Wochenende im Rahmen unseres Ausflugs nach Krakau.

Nachdem wir Freitag Nachmittag 4h mit dem Zug unterwegs gewesen waren, ging es Samstag morgen direkt mit dem Bus nach Auschwitz. Es ist bestürzend und eigentlich unvorstellbar, was damals in diesem Lager passiert ist und auch wenn ich selbst natürlich keine Schuld an diesen Greultaten trage, habe ich mich doch etwas vor den anderen Erasmus-Studenten für das geschämt, was mein Volk vielen Ausländern damals angetan hat. Genau deshalb finde ich es aber auch wichtig, dass dieser schwarze Moment der Geschichte weder verleumdet, noch vergessen werden darf!

Im Folgenden wurde der Städtetrip dann auch fröhlicher. Nachdem wir in einem urischen Keller-restaurant Mittag gegessen hatten (so gegen 16Uhr), bekamen wir eine 'kleine' Stadtführung zu Fuß. Krakau ist wirklich sehenswert!! Das alte Stadtzentrum bzw. die ganze Stadt ist wirklich gut erhalten, weil sie im 2. Weltkrieg verschont geblieben ist. Somit konnten wir sowohl das alte Handelszentrum auf dem Marktplatz und die älteste Universität Polens, sowie das Schloss (samt Drachen!) und das jüdische Viertel näher erkunden.



Danach waren wir eigentlich alle ziemlich fußlahm. Dennoch wollte niemand den Abend im Hostel verbringen Zuerst machten wir noch einen Abstecher ins Hard Rock Café, nur um dann in einen gemütlich Pub umzuziehen, der preislich etwas mehr zu unserem studentischen Budget passte.


Sonntag Vormittag stand dann die größte Salzmine der Welt, die noch in Betrieb ist, auf unserem Plan: Wieliczka. 3 Stunden verbrachten wir unter Tage, liefen durch die Salzstollen und betrachteten Statuen und ganze Kathedralen- innenräume aus Salzstein. Am tiefsten für Touristen zugänglichen Punkt befanden wir uns 135m unter der Oberfläche. Da will man lieber nicht darüber nachdenken, wieviel Erdmasse sich grad über einem befindet

Zurück in Krakau empfahl uns unsere Organisatorin noch die Schokoladenmanufaktur und es wäre natürlich ein Frevel gewesen, dieser Empfehlung nicht zu folgen!

Diesen Mittwoch war Unabhängigkeitstag in Polen. Das hieß für uns hauptsächlich: keine Vorlesungen :D Allerdings sollten auch sonst sämtliche Geschäfte geschlossen sein und aufgrund von Aufmärschen und Paraden, wurde uns geraten, dem Stadtzentrum lieber fern zu bleiben. Auch wenn das Wetter in der gesamten Woche schon ziemlich unbeständig gewesen war, hofften wir trotzdem ein BBQ veranstalten zu können. Alle Vorbereitungen wurden getroffen, nur das Wetter spielte leider nicht mit. Kurzerhand verlegten wir die ganze Aktion in ein Wohnheimzimmer. Würstchen lassen sich schließlich auch in der Pfanne zubereiten und die Salate waren nun mal zubereitet. Drinnen war es auch viel gemütlicher und mit Pantomime und Karaoke wurde es ein wirklich lustiger Nachmittag
13.11.15 22:54
 
Letzte Einträge: Aufruhr in der Zwergenstadt Teil 3, BBQ, Glühwein und Picasso, Fangen hier auch irgendwann die richtigen Vorlesungen an??, Wroclaw Winter Weihnachtszeit


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